Update – Niko Tsikouris

Die erste Jahreshälfte ist fast schon wieder vorbei. Bedingt durch Corona hatte ich dieses Frühjahr enorm viel Zeit um meine Angelei sehr vielseitig und dennoch effektiv zu gestalten. Doch fangen wir mal ganz von vorne an.

Aufgrund des milden Winters und der Tatsache das mich keine Eisdecke auf meinen Gewässern ausbremsen konnte fische ich bereist im Januar und Februar recht intensiv. Groundbait Green Betain und Cloudy Groundbait Sweet CSL verfeinert mit einigen unserer Liquids und kleine Mengen Triple X-tract Boilies machten die Winterkarpfen munter.

Bereits Ende Februar konnte ich tolle Fische überlisten.
Attraktives Futter macht die Fische aktiv.

Auf nach Frankreich

Eine Woche nach der Party im März, die meine Jungs und ich im Carpcorner Krefeld veranstaltet hatten, ging es für mich und meinen Kumpel Roel nach Frankreich. Für mich war es das erste Mal, so früh im Jahr eine Tour zu starten. Unser erstes Ziel lag tief im Süden. Wir hatten uns einen Plan zurecht gelegt und wollten diesen auch so gut es geht beibehalten. Wir kamen im Morgengrauen am See an und mussten leider schnell feststellen, dass unser Wunschplatz zwar frei war, im flachen Wasserkörper des Sees aber bereits 12 Camps saßen.

Am liebsten hätte ich bei 5 direkt wieder ´nen Schuh gemacht, doch wir wussten von vorne herein, dass uns viel Angeldruck erwarten würde. Wir wollten es zuerst einmal für 2-3 Nächte versuchen. Bereits um 12 Uhr mittags hatten wir komplett aufgetackelt und legten uns erst mal ein paar Stunden hin, um den verlorenen Schlaf der Autofahrt nachzuholen. Die nächsten Tage vergingen wie im Flug.

Wir genossen die warme Frühjahrssonne, fingen aber nur einen Haufen Waller und wurden von allen Himmelsrichtungen mit Montagen eingekesselt. Ein Hauch von Urlaubsfeeling war da, aber angeltechnisch war ich total an genervt. Der Ausblick aus meinem Zelt wurde von der Bivviemeile des gegenüber liegenden Ufers zerstört. Nach drei Nächten wechselten wir das Gewässer und landeten an einem von Bergen umringten Alpensee.

Froschschenkel sind ja eine Delikatesse in Frankreich. Diese Schlange bevorzugt direkt den ganzen Frosch 😀

Hier roch es förmlich nach Fisch und zu unserem Glück hatten wir den See komplett für uns alleine. Jackpot! Während die Alpenspitzen noch von einer dicken Schneedecke umsäumt waren, bauten wir in kurzer Hose und T-Shirt unser Tackle auf. Aufgrund des vor Ort herrschenden Nachtangelverbots, hatten wir nur noch 5 Stunden zum Angeln, bis die Sonne hinter den Bergen verschwand und wir wieder abtacklen mussten.

Wir legten unsere Montagen mit dem Futterboot in abgestorbene Krautfelder. Ich beköderte meine Rigs mit Triple X-tract und White Pineapple Boilies. Noch bevor wir sechs Ruten im Rennen hatten, pfiff auch schon die erste Rute ab. Das Ergebnis war ein 26kg Fisch für meinen Freund Roel. Was ein Start. Während wir den Fisch versorgten kam der nächste Biss, diesmal bei mir. Heraus kam ein schöner Spiegler mit knapp 15kg. Wir waren goldrichtig.

Die Coronasituation zog sich inzwischen immer weiter zu und in Frankreich wurde die Ausgangssperre verhängt. Wir verhielten uns unauffällig und hofften noch ein paar Tage fischen zu können. Wir fingen konstant und hatten in den nächsten beiden Tagen nochmal eine Hand voll Fische auf dem Konto.

Nach 3 Angeltagen wurden wir freundlich von der Garde de Peche aufgefordert, zurück nach Deutschland zu fahren. Anderenfalls könne man nicht dafür garantieren, dass die Polizei uns nicht mit einem 2000 Euro Bußgeld des Gewässers verweisen würde. Schweren Herzens ging es somit früher als geplant nach Hause. Nach 2 Straßensperrungen inklusive Kontrollen realisierten wir wie ernst es inzwischen um dieses Virus schien.

Parallel Fütterung in den heimischen Gefilden

Zuhause angekommen, war der Urlaub für mich längst nicht beendet. Ich hatte noch 4 Nächte und zog gleich wieder los. Mein Plan war es dieses Jahr 2 Gewässer parallel zu beangeln und auch an beiden zu füttern. Dass dies enorm anstrengend werden würde, war mir bewusst, aber ich wollte es unbedingt versuchen. Um den Aufwand so gering wie möglich zu halten, suchte ich mir an beiden Gewässern Stellen, die ich ohne Boot und in „Groundbaiterentfernung“ befischen konnte. 10-13 Rutenlängen sind die perfekte Entfernung für dieses Vorhaben. Bevor ich an ein drittes Gewässer zum Angeln fuhr, nahm ich mir einen Tag Zeit um meine favorisierten Plätze genau zu erkunden, um anschließend die erste Initialzündung (wie wir es zu sagen pflegen) zu starten. Diese bestand Ende März wie bereits mein Winterfutter überwiegend aus Weichfutter und wenigen in Wasser vorgequollenen Fish und Tripple X-tract Boilies. Von nun an nahm der Struggle seinen Lauf. Füttern, angeln und Zuhause wieder alles vorbereiten.
Um so wärmer das Wasser wurde (und somit auch die Weißfischaktivität zunahm) verzichtete ich auf Groundbait und benutzte nur noch gesoakte Boilies. Hier kamen dann auch die ersten Prototypen der neuen Yellow Berry Boilies ins Spiel, welche ich unter meine Mischung aus den oben genannten Fischmehlködern.

The struggle is real. Wenn man ihn sich macht! An der Stelle einen Dank an meine Freundin, die diesen Wahnsinn schon so früh im Jahr mitmachen musste. Um zwischen den beiden Gewässern zu pendeln, spulte ich jede Woche über 150 Kilometer ab. Meine Arbeitsstelle lag ca. in der Mitte, was das Ganze überhaupt erst umsetzbar machte. Die ersten Sessions machte ich Anfang April. Bevor ich einen Platz das allererste Mal befischte, versuche ich mindestens 4-5 Mal vorher Futter einzubringen. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass es sinnvoller sei, den einen Spot eher als geplant zu befischen und den anderen länger ruhen zu lassen. Gleich in der 3ten Nacht konnte ich an Gewässer A einen fetten Fünfziger fangen. Was ein Einstand in die noch so junge Saison.

FUFFI IN DA HOUSE….

Der Platz war angenommen und das im so zeitigen Frühjahr. Inzwischen ging an Gewässer B das große ‚Frühjahrskino“ los. Es wurde gefühlt an jeder freien Stelle gefüttert und jeder der Jungs wollte es dieses Jahr nochmal so richtig wissen. Wir verstehen uns alle blendend und sind alle miteinander vernetzt, aber jeder wollte angeln und jeder wollte vorbereiten. Das 8 Futterplätze Anfang April mehr als kontraproduktiv sind, war uns allen bewusst, aber keiner wollte klein beigeben. Gut für die Abwachsrate der Fische, aber beschissen für jeden einzelnen von uns.

Pop Ups und Wafter sind meine erste Wahl als Hakenköder

Ich fixierte mich auf Gewässer A und hielt meinen Platz am zweiten Gewässer mit kleinen Happen attraktiv. Der April war extrem warm in diesem Jahr. Er ermöglichte mir so meinen Platz schon jetzt mittels Schnorchel und Taucherbrille zu kontrollieren. Diese Prozedur setzte die Effizienz an diesem Platz noch ein Level höher. Fortan ging ich nur noch fischen, wenn mein Futter weg war und passte die Mengen ans Fressverhalten der Fische an. Ich hatte die Fische irgendwann so weit, dass sie mir förmlich aus dem Eimer fraßen, wenn ich an geschnorchelt kam. So etwas hatte ich bis dato noch nie gesehen oder auch nur ansatzweise erlebt. Bedingt durch die Corona-Krise hatte meine Firma Kurzarbeit angemeldet und ich konnte mir die besten Nächte zum Angeln in der Woche rauspicken. Es schien wie ein Selbstläufer.

Das ständige Füttern zerrte zwar an meinen Nerven aber ich konnte nicht mehr aufhören. Zu viele gute Fische reihten sich Session für Session in mein Fangbuch ein. Mittlerweile war es Ende Mai und Gewässer B stand immer noch unter Dauerbeschuss. Es spiegelte sich in unser aller Erfolgen wider. Ich konnte in 4 Nächten einen Schuppi mit 13kg verhaften und damit war ich schon gar nicht so schlecht aufgestellt. Mein Futter kam weg, das konnte ich mittels einer Unterwasserkamera überprüfen, aber ob es nur Karpfen waren, bezweifelte ich. Aufgeben war dennoch keine Option. Zur selben Zeit am anderen Platz musste ich bei meinen wöchentlichen Tauchgängen feststellen, dass mein Futter das erste Mal liegen blieb. Die Fische fingen an zu laichen.

Futter bei die Fische…

Ende Mai bei 18° Wassertemperatur. So früh war es wirklich komisch aber was muss das muss. Es kündigte sich ein Tiefdruckgebiet mit Wind und Regen an. Genau mein Wetter! Ich kam früh morgens am Platz an und schnickte wie immer für die ersten Stunden 2 Hinged Stiff Rigs mit fluo Pop ups auf den Spot. Nach 3 Stunden bekam ich einen brachialen Biss und merkte gleich, einen der ganz Großen gehakt zu haben. Nach kurzem hitzigen Drill zwischen 2 Hindernissen lag ein gewaltiger Fisch im Kescher. Ich erkannte ihn sofort konnte ihn aber aufgrund der Laichzeit gewichtstechnisch nicht einschätzen. Das genaue wiegen ergab 27,9kg! Popshot!

27,9 Kilo geballte Power !!

Ich war überwältigt und sprachlos. So früh im Jahr so viele gute Fische. Es war an der Zeit, hier ein bisschen locker zu lassen und an Gewässer B jetzt so richtig Gas zu geben. Auch dort stellten sich die ersten gewichtigen Erfolge ein. 18,8kg und 20,6kg an einem Morgen.

20,6 Kilo Traumspiegler
Der zweite vom morgendlichen Doppelschlag. Richtig uriger und mockiger Fisch. 18,8 Kilo

Zwischen den ganzen fetten Schuppis jetzt noch diese beiden geilen Spiegler. Unfassbar. Mit dem Tod meines langersehnten Zielfisch kehrte ich diesem Gewässer vorerst den Rücken.

Mein Zieflisch (einer der größten und legendärsten Fische unserer Region) starb leider bevor ich ihn fangen konnte. Eine intensive Jagd nahm ein abruptes Ende.

Am anderen Gewässer hielt ich meinen Futterplatz noch etwas aufrecht was mit tollen Fischen bis deutlich über 20 Kilo belohnt wurde.

Unglaublich kampfstarker Schuppi mit ordentlich Gewicht auf den Rippen.G
Geile Farbe. Nussbrauener Schuppi.
Und der nächste 20Kilo+ macht Bekanntschaft mit meiner Matte.
Ein uralter, großer, mockiger und total verschobener Fisch.

Aber auch an diesem See nahm ich mir dann selbst ein bisschen Wind aus den Segeln. Ich verbrachte wieder etwas mehr Zeit mit Freunden und absolvierte einige Socials, die hier und da auch noch ein paar gute Fische produzierten. Auch hier war dann tatsächlich noch ein 25Kilo+ Fisch dabei. Wahnsinn!

Und wieder ein Fisch über 25 Kilo.
Ich liebe diesen grauen Schuppis

Futterplatzangeln ist zwar teilweise sehr effizient, setzt aber fast immer voraus, alleine fischen zu gehen. Nach fast 10 Wochen war ich froh, mit meinen Jungs einfach mal wieder angeln zu gehen. Ohne irgendwelche Futterintervalle im Kopf zu haben. Aber gelohnt hat es sich allemal. Allein das erste Halbjahr 2020 brachte mir sechs Fische über 20 Kilo und drei über der 25 Kilo Marke. Ich bin gespannt was mich im laufe der Saison noch so erwartet.

Niko Tsikouris

9 Antworten auf „Update – Niko Tsikouris“

  1. Alter Schwede – Niko Joonge!
    Da haste aber einen abgerissen!
    Geil mann! Sau coole Fotos!
    Weiter so!

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